Samstagabend nachts um halb zwölf. Zeit zum bloggen, denn angesichts einer Sonntagsschicht muss die Party ausfallen. Schlecht für mich, schön für das Blog. Thema des Abends ist Ben Cousins und sein Interview mit Gamasutra, das vor allem für Beobachter der Spielebranche und deren weiterer Entwicklung so viel mehr als nur ein Gespräch über Battlefield Heroes ist. Es geht um Games und Märkte, um den Kampf zwischen Konsole und PC und vielleicht auch um Battlefield 3. Allerdings sind das eher Gedankenspiele als wirkliche Schlüsse aus dem Interview.
Wo fange ich am besten an: Vielleicht mit Märkten und der Spielentwicklung, die in Zukunft noch weiter weg von der Disc gehen wird. Dafür sprechen gleich mehrere Fakten, denn Plattformen wie Steam, EA Downloader und Gamesload beweisen, dass Spieler bereit sind Inhalte digital zu erwerben. Dazu kommt ein weiterer Faktor: die große Unsicherheit bei großen Vollpreistiteln. Die Entwicklung der Spiele verschlingt Unsummen und das Ergebnis muss am Ende stimmen. Oft genug tut es das nicht nicht und als Ergebis des schlechten Ergebnisses werden Publisher größer und größer, um so ihr Risiko breiter zu streuen. Und sie erschließen ständig neue Märkte, wie man an Battlefield Heroes im Falle von EA sehen kann. Was dabei viele vergessen: Die Strategen in Redwood Shores sind damit mitnichten “First Mover”. Dann gäbe es da nicht Quake Live (ID Software) oder die “Play-for-Free” Pläne von Sony im Bereich Massive Multiplayer. Heroes ist einer unter vielen, die den rasant wachsenden Markt für Online-Games erobern wollen. Und das, obwohl die Zahl der Online-Spieler geringer ist als erwartet.
Das interessante daran sind der parallele Einstieg so vieler Publisher in dieses Segement und der späte Zeitpunkt, zu dem er passiert. Denn Cash wird mit diesem Konzept bereits sehr lange gemacht. Tausende, wenn nicht hunderttausende Menschen weltweit spielen Browsergames, die von jedem PC abrufbar sind und erst richtig Spaß machen, wenn man bestimmte Zusatzinhalte freischaltet. Und die Kosten Geld, was die Spieler bereitwillig zahlen. Denn gute Browsergames können – ganz ohne eine einzige Grafiksequenz – so süchtig machen wie World of Warcraft. Dazu sind sie viel billiger zu produzieren. Goal United, OGame und Insel-Monarchie und all die vielen anderen Ableger erzählen Bände davon. Natürlich sind Heroes und Quake Live keine Browsergames, aber eben auch keine Spiele im klassischen Sinn. Sie liegen irgendwo dazwischen. Ein ganz neuer Typ Spiel, der im Fall der Fälle auch einmal mit einer älteren Engine auskommt und eine kurze Entwicklungszeit hat. Läuft das Geschäft, wird es ausgebaut. Läuft es nicht, wird einfach etwas Neues ausprobiert. DICE und EA setzen hier auf Werbefinanzierung und Kauf-Gimmicks, andere Publisher vielleicht wirklich irgendwann auf Bezahlkarten und Level. Und vielleicht schlagen auch DICE und EA irgendwann diese Richtung ein.
Interessant ist unter diesem Gesichtspunkt die eingangs erwähnte Frage nach Battlefield 3 (BF3), das so gar nicht in dieses Konzept passt und sogar dem neuen Kurs von EA zum Opfer gefallen sein könnte. Wichtig ist hier die Geschichte von Battlefield und die Firmenpolitik des Publishers. Halb fertige Projekte zu canceln oder umzustrukturieren ist nämlich nichts ungewähnliches. In den PC-Teilen der Serie finden sich massenhaft Reste von angefangen Projekten. Fahrzeuge, Karten und Gebäude, die als letzte Zeugen davon berichten. Von einem möglichen zweiten Boosterpack für Battlefield 2142, aber auch von der einst getroffenen Entscheidung, aus dem zweiten Add-On für Battlefield 2 besser zwei Boosterpacks zu machen und damit eine kleine Revolution einzuläuten: den ersten ausschließlich digital vertriebenen Inhalt aus den Hause EA. Ein Battlefield(!), oder zumindest eine Erweiterung davon, die man nur online kaufen konte. Gemacht von denselben Spielentwicklern aus Schweden, die heute für Heroes verantwortlich zeichnen. Das alles fand im Jahr 2006 statt, etwa sechs Monate nach dem Start der Plattform mit dem damals auch auf CD erhältlichen Add-On Special Forces. Gerade einmal zwei Jahre ist das her und heute ist es das normalste auf der Welt, Spiele direkt im EA Store zu kaufen. In zwei bis drei Jahren wird es das normalste auf der Welt sein, Play-for-Free Shooter von DICE und EA zu erhalten und hier kommen wir zurück auf Battlefield 3 und die neue Frostbite Engine: Passt ein solches Spiel in dieses Konzept und wird es sich verkaufen?
Klären kann diese Frage wohl nur der neue EA-Chef John Riccitiello samt seinem Stab, doch zählt man eins und eins zusammen, steht am Ende schon rein mathematisch keine große Drei. Und auch ansonsten nicht, denn der neue Chef des größten Publishers ist vor allem am Ruder des schlingernden Konzerns, um diesen wieder in sicheres Fahrwasser zu führen. Und die Probleme sind mannigfaltig: Zu viele Fortsetzungen mit zu wenig neuen Inhalten zum Beispiel: Jedes Jahr eines neues NBA , NFL und NHL und mit ihnen jedes Jahr mehr Fehler bei nahezu null Innovation. Das Ergebnis waren vernichtendes Feedback der Kunden und – bei einem börsennotierten Unternehmen wie EA viel schlimmer – von führenden Analysten für den Games-Sektor. Die Reaktion lies nicht lange auf sich warten. Wie Boss Riccitiello der Börsenwelt kurz danach über Wallstreet online mitteilte, sollte sich von nun alles ändern. Weniger Fortsetzungen und mehr Innovationen. Und wenn schon Fortsetzungen, dann nur noch unter dem Aspekt der Innovation. Ob Battlefield 3 darunter fällt ist die große Frage. Die Frostbite Engine an sich ist innovativ und der Gedanke, die gesamte Umgebung einzunorden verlockend, doch muss es ausgerechnet Battlefield sein? Es bieten sich auch andere Ideen und Konzepte an und wenn man es genau nimmt, ist der einzige jemals bekannt gewordene Beweis ein hundertfach zitiertes, aber nie im Original veröffentlichtes PDF an Investoren. Dazu einige Gerüchte von der Games Convention 2007, die – nimmt man es genau – genau in den Zeitraum von Heroes fallen. Vielleicht gab es die Pläne ja wirklich und sie wurden – wie die Booster – in der Entwicklung eingestampft.
Eine Auflösung kann nur die Zukunft bringen und bis dahin wird munter spekuliert und gerätselt. Über Battlefield 3 und viele andere Themen. Zum Beispiel die Zukunft des Personal Computers und der Konsole und welche der beiden Plattformen am Ende den Sieg erringen wird. Meinungen gibt es hier wie Sand am Meer und nicht wenige Experten haben den PC bereits für tot erklärt. Ganz anders Ben Cousins, der früher selbst im Bereich Konsole gearbeitet hat und in dem eingangs erwähnten Interview mit Gamasutra etwas sehr spannendes und wichtiges sagt: Es gibt mehr PCs als Konsolen. Sehr viel mehr. Und das wird auch auf sehr lange Sicht so bleiben. Was also vom Aussterben bedroht ist, sind unter Umständen Vollpreistitel für 60 Euro auf DVD im Geschäft, das klassiche Spiel für den Personal Computer aber noch lange nicht. Konzepte und Geschäftsmodelle ändern sich und passen sich der Entwicklung des Marktes an. Das ist alles. Das dabei das eine oder andere Spiel über den Jordan geht gehört dazu. Die neuste Ausgabe von Madden-Footbal zum Beispiel, die nicht mehr für den PC erscheint. Die Verkaufszahlen waren einfach zu schlecht. Den Sieg der Konsole bedeutet das aber noch lange nicht. Höchstens einen Teilerfolg. Besonders deutlich wird das an kritischen Stimmen aus der Konsolen-Ecke. Zum Beispiel der von Sandy Duncan, der einst das Europa-Geschäft mit der Xbox aufgebaut hat. In einem Interview erklärte der jüngst die Konsole zu einem aussterbenden Modell. Fünf bis zehn Jahre gibt er der Branche noch, weil die Entwicklung einfach zu teuer ist. Und damit könnte er Recht haben, denn immerhin verlieren Sony und Microsoft mit jeder verkauften Konsole viel Geld. Doch mehr dazu ein anderes Mal.
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