
Wenn es um die Nutzung personenbezogener Daten geht, verstehen viele Menschen keinen Spaß. Das gilt für Dienste von Facebook und Google genauso wie für Computerspiele. Publisher Electronic Arts hat diese leidvolle Erfahrung bereits einmal gemacht, als im Jahr 2006 dynamische Ingame-Werbung für Battlefield 2142 eingeführt wurde. Fünf Jahre später ist es wieder soweit: In den ABGs von Origin, das für die Nutzung von
Battlefield 3 zwingend installiert sein muss, sind Spieler über Passagen gestolpert, die EA umfangreiche Rechte an der Nutzung persönlicher Daten einräumt. Battlefield-Fans weltweit sind entrüstet und in Sorge, weshalb wir versucht haben das Thema für euch einzuordnen.
Keine Chance auf Widerspruch
Die strittige Passage findet sich im End User License Agreement (kurz: EULA) von Origin und erlaubt die Übermittlung von Daten der Nutzer an EA. Das umfasst laut Text nicht nur Hardware, Betriebssystem und IP-Adresse, sondern auch Software und Software-Nutzung. Was der Publisher darunter versteht ist unklar, faktisch fällt vom Browser über E-Mail bis hin zu Office-Anwendungen und Spielen alles unter diesen Begriff. Zudem beinhaltet die EULA einen Zusatz, der EA das Recht einräumt diese Daten personenbezogen zu Marketingzwecken zu verwenden und anonymisiert an Drittunternehmen weiterzugeben. Ein Widerspruch ist nicht möglich. EA empfiehlt in diesem Fall Origin nicht zu installieren oder zu nutzen, was die Nutzung von Battlefield 3 ebenfalls ausschließt.
Übermittlung von Daten nicht erst durch Origin
Nachlesen können Spieler das alles in
den AGB von Origin, die in deutscher Sprache auf der Website von EA abrufbar sind (Punkt 2). Interessant an dem Fall ist, dass sich ein ähnlicher Text seit längerem auch in den
allgemeinen Nutzungsbedingungen für PC-Spiele findet. Der einzige Unterschied: statt "Software" und "Softwarenutzung" steht schlicht "Anwendungssoftware" geschrieben. Auch hier willigen Nutzer ein, dass die erhobenen Daten an EA und seine Partner übermittelt werden und auch hier können die Bedingungen auf der Website von EA nachgelesen werden (Punkt 3). Der einfachen Übersicht halber haben wir beide Klauseln auf der zweiten Seite dieser News noch einmal als Auszug abgebildet und die kritischen Stellen markiert.
Löschung von Accounts prinzipiell möglich
In der Kritik steht neben der Übermittlung von Daten noch eine zweite Klausel, bei der es um die Löschung von Accounts geht. In den
Nutzungsbedingungen für Online-Services heißt es unter Punkt 5, dass Berechtigungen sowie das EA-Konto gelöscht werden können, wenn davon 24 Monate kein Gebrauch gemacht wurde. Diese Klausel wurde bereits vor einigen Tagen entdeckt und seitens EA kommentiert. Das Magazin Rock Paper Shotgun
zitiert einen Sprecher des Publishers mit den Worten, dass "die Löschklausel keine Accounts betreffe, über die Spiele gekauft oder geladen wurden, sondern lediglich zur Bereinigung inaktiver Accounts diene". Hier stellt sich die dringende Frage, warum Berechtigungen - und damit gekaufte Spiele - dann überhaupt aufgeführt werden. Auch diese Klausel findet ihr samt Quell-Link auf der zweiten Seite.
Beschwerden zeigen Wirkung
Das Thema wurde inzwischen von etlichen Spielemagazinen aufgegriffen und auch im Forum von BF-Games wird seit Tagen
heftig darüber diskutiert. Andere Spieler gehen noch weiter:
Bei Reddit haben Spieler Adressen und E-Mail-Adressen von EA gesammelt und organisieren Protestschreiben. Und dieses hohe mediale Interesse zeigt nun offenbar Wirkung. Während die Online-Versionen der AGBs noch auf dem alten Stand sind, wurden die direkt über Origin
abrufbaren Geschäftsbedingungen (PDF) gestern aktualisiert. BFG-Member
Terpo
hat im Forum den Link auf ein PDF hinterlegt, das eine überarbeitete Version des Abschnitts enthält. EA hat einen Hinweis auf den Datenschutz hinzugefügt und einige Passagen verändert. Der strittige Abschnitt mit der Software und Software-Nutzung ist jedoch weiterhin enthalten. Auch die neue Version haben wir auf der zweiten Seite als Auszug hinterlegt.
Mitmachen und mit Beschweren
Spieler, die Battlefield 3 nutzen möchten und mit den aufgezählten Klauseln nicht einverstanden sind, können sich im Forum von BF-Games austauschen. Dort gibt es in der Battlefield-3-Sektion einen eigenen Thread zum Thema. Die weitere Entwicklung im Bereich der AGBs werden wir weiter für euch im Auge behalten. Auf eine Anfrage bei EA verzichten wir vorerst, da große Magazine wie Gamespot sich in dieser Angelegenheit
laut neuesten Berichten bereits beim Publisher gemeldet haben. Wer selbst Einfluss nehmen möchte, kann sich mit seinen Bedenken an die Zentrale von EA oder EA Deutschland wenden. Ob und in welcher Form BF-Games selbst aktiv wird, machen wir von der Entwicklung der nächsten Tage abhängig. Fakt ist jedoch, dass auch wir die genannten Klauseln ablehnen und uns für eine Korrektur einsetzen.
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