
Wo Licht ist, ist auch Schatten. Eine Erfahrung mit dieser Weisheit macht gerade Publisher Electronic Arts, wobei man im Falle von
Battlefield 3 und Origin wohl eher von einer Sonnenfinsternis sprechen kann. Denn wenn ein Computerspiel zum Aufmacher
bei Spiegel-Online mutiert, muss ganz schön was im Busch sein. Und das ist es auch, denn mit der Kritik der Medien alleine ist es nicht getan. Beim Online-Versand Amazon wird Battlefield 3 zurzeit in der Luft zerrissen. Mehr als 1000 Kunden haben das Spiel innerhalb der letzten 48 Stunden bewertet und 950 davon haben nur einen Stern gegeben. Ein Fiasko, das es in dieser Form zuletzt 2008
nach der Veröffentlichung von Spore gab. Und wie damals steht bei der Bewertung nicht der Inhalt im Vordergrund, sondern das Beiwerk.
Kunden machen Front gegen Origin
Wer
die Bewertungen bei Amazon durchliest, erkennt schnell zwei Themen: die Probleme mit der Online-Aktivierung des Spiels und ganz erhebliche Kritik an EAs Online-Tool. Neben dem Totalausfall am Release-Tag steht dabei vor allem ein Aspekt im Fokus: der Endbenutzer-Lizenzvertrag (kurz: EULA [engl.]), der in der Battlefield-Szene fast schon wieder vergessen war. Von den meisten Käufern wird die Software als Spyware eingestuft, andere nehmen sogar das Wort Trojaner in den Mund. Bewiesen ist davon bis zu einer Untersuchung von Programm und Netzwerkverkehr nichts, der Lizenzvertrag steht jedoch auf wackligen Füßen.
Rechtsexperte zerpflückt EULA
Für die Online-Ausgabe der GameStar hat der Rechtsanwalt Thomas Schwenke die Nutzungsbedingungen von Origin
unter die Lupe genommen und dabei einige eklatante Mängel entdeckt. Die am heftigsten umstrittene Klausel, mit der EA sich das Recht einräumt Informationen über Hardware, Medien, Software und die Nutzung von Anwendungen einzuräumen stuft Schwenke schlicht als unwirksam ein. Und nicht nur das: sollte Origin wirklich im beschriebenen Umfang nach Hause funken, wäre das schlicht widerrechtlich. Zusätzlich zu diesem Punkt bemängelt Schwenke viele weitere Formulierungen und kommt zu einem ernüchternden Fazit: Die Nutzungsbedingungen und Datenschutz-Richtlinien enthalten umfangreiche Verstöße gegen Verbraucher- und Datenschutzrechte.
Rückgabe des Spiels denkbar
Ob die Einschätzung Schwenkes auch vor einem Gericht bestand hätte bleibt dabei natürlich offen, die Empfehlung ist jedoch eindeutig: Kunden haben nach seiner Einschätzung das Recht, gegen Rückzahlung des Kaufpreises zurückzugeben. Zudem haben sie das Recht, Auskunft nach den über sie gespeicherten Daten oder deren Löschung zu verlangen. Offen bleibt dabei, wie viele Käufer wirklich soweit gehen ihr Spiel zurückschicken oder einzutauschen. Klar ist jedoch so viel: das Murren wird lauter und es gibt eine kleine Protestbewegung. Auf Facebook wurde
eine Anti-Origin-Gruppe gegründet, dazu steht seit einigen Tagen eine offizielle Protestseite im Netz.
Screenshots sollen Spionage beweisen
Auf der Website
Theorigin.de sammelt Spieler Sebastian Radtke News, Infos und Videos rund um das Thema Origin und bietet dort auch ein Forum an. Teil dieser Sammlung sind Screenshots von Tools wie Prcoess Explorer und Process Monitor, mit denen sich die Aktivität von Programmen überwachen lässt. Zu sehen ist hier, dass Origin auch Software für
die Nutzung von Handys und der Erstellung
von Steuererklärungen durchsucht. Eine Bestätigung sind diese Bilder noch lange nicht, lassen sich Screenshots doch zu einfach manipulieren, allerdings geben sie Grund zur Sorge. Wir würden uns deshalb wünschen, dass sich der Chaos Computer Club nach dem Bundestrojaner einmal die Software von EA vornimmt.
Plattform wird weiter ausgebaut
Ungeachtet der laufenden Kritik – die sich aktuell vor allem auf Deutschland und Österreich beschränkt – baut EA sein Plattformkonzept weiter aus. Erst gestern wurde bekannt, dass Warner Brothers Interactive, Capcom und THQ als Vertriebspartner gewonnen werden konnten. Titel wie die Arkham City (Batman) und Saints Row werden auch über Origin verkauft, weitere sollen folgen. Beim Riesen aus Redwood läuft anscheinend alles weiter nach Plan. Spannend ist die Frage, ob der jetzige Aufschrei mehr als die üblichen Lippenbekenntnisse und Petitionen hervorbringt. Denn eins wurde heute auch deutlich. EA hat bereits in der ersten Woche weltweit zehn Millionen Exemplare von Battlefield 3 an die Händler verteilt. Wirklich bewegen dürfte sich erst etwas, wenn diese Spiele im Laden stehen bleiben.
Randnotiz: Auch Battlefield 3 unter Beschuss
Abschließend möchten wir noch über ein Thema informieren, das angesichts der Aufregung über Origin völlig untergegangen ist. Denn neben dem Zusatztool steht auch das Spiel selbst unter Beschuss. In der Online-Ausgabe der PC Games ist ein Beitrag erschienen, in dem schwere Vorwürfe gegen die Architektur der PC-Version von Battlfield 3 erhoben werden. Demnach ist es Spielern aufgrund der Konstruktion des Spiels leicht möglich die Logik zu manipulieren. Die Folge sind Runden, in denen alle Unlocks freigeschaltet oder völlog unnormale Punkte für Aktionen erspielt werden. Das Problem ist laut Bericht bereit seit der Alpha bekannt und an DICE kommuniziert, wurde jedoch nicht behoben. Sollten sich diese Vorwürfe bewahrheiten, würde das die Aussage bezüglich der Zurückhaltung der Serverfiles aufgrund von Schutzmaßnahmen erneut in Frage stellen. Wer sich für das Thema interessiert, findet bei der PC Games
weitere Hintergründe.
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