
Wer Battlefield spielt, der kennt das Thema: Dem einen sind die Waffen zu stark, dem anderen die Panzer zu schwach und der Nächste möchten gleich das ganze Spiel in die Tonne kloppen. Und da der Mensch im Allgemeinen und der Gamer im Speziellen ein sehr redseliger Typ ist, möchte er über diese Punkte diskutieren. Am liebsten im Forum und warum nicht gleich bei EA? Immerhin setzt der Publisher in den letzten Jahren ja verstärkt auf eigene Foren. Dumm nur, wenn die Teilnahme an einer solchen Diskussion plötzlich den Zugriff auf die eigenen Spiele kostet. Gibt’s nicht? Klar gibt’s das. Das US-Magazin
Rock, Paper, Shotgun
(RPS) hat
die Geschichte aufgedeckt und wir glauben sie, denn wir haben mit einem Betroffenen gesprochen.
Betroffene finden kein Gehör
RPS weiß von von insgesamt drei Fällen zu berichten, in denen Spieler aufgrund eines Fehlverhaltens aus den Foren von EA verbannt wurden und in Folge dieses Vorgangs den Zugriff auf ihre gekauften Spiele verloren haben. Im ersten Fall ging es um einen zugegeben etwas dämlichen Thread zum Thema
Teabagging, im zweiten um angebliche Eigenwerbung für eine kommerzielle Website und im dritten um die Verwendung des Wortes "E-Penis". Eigentlich nichts wirklich dramatisches, dennoch berichten die betroffenen Spieler gegenüber dem Magazin von einer vollständigen Sperrung ihrer Accounts und damit auch ihrer Spiele. Und nicht nur das: der EA-Support weigert sich offenbar überhaupt über die Fälle zu diskutieren.
Wenn Helfer zu Opfern werden
Eigentlich hört sich das nach einer Räuberpistole an, doch in einem Fall sind wir hellhörig geworden. Wie RPS schreibt, geht es dabei nämlich um einen Spieler Namens Rob und bei der kommerziellen Website um einen Ratgeber zum Thema Netzwerk. Und da fiel uns eigentlich nur einer ein: Rob "Heycarnut" Cook, der mit seinem Ratgeber
Troubleshooting Multi-Player PC Game Connectivity Issues so ziemlich in jedem englischsprachigen Multiplayer-Forum verlinkt wird. Wir haben Rob deshalb kontaktiert und eine Bestätigung von ihm erhalten. Es ist sein EA-Account, der gesperrt wurde weil er anderen helfen wollte. Ein Skandal, der zudem besondere Brisanz hat. Robs Ratgeber wurde bisher nämlich nicht nur von ihm verlinkt, sondern auch von EA – und zwar auf den offiziellen Hilfeseiten.
Master-Account macht’s möglich
Möglich ist diese vollständige Sperrung des Zugangs inklusive aller Spiele bereits länger. Seit 2008 setzt EA auf einen Master-Account, mit dem sich Käufer von Spielen in die jeweiligen Titel, sämtliche Foren (DE, US, UK, etc.) und alle Websites einloggen können. Über diesen Account können plattformübergreifend Spiele und Identitäten verwaltet werden, aber eben auch gesperrt. Erste Diskussionen darüber gab es bereits im Jahr der Einführung, als ein übereifriger Moderator in den EA-Foren
die Sperrung von Accounts ankündigte, deren Inhaber sich kritisch über den Kopierschutz von Spore äußerten. Damals
ruderte EA zwar umgehend zurück und betonte es handele sich um einen Fehler, hielt sich die Optionen aber weiter offen. Gebannt werden kann weiterhin im Forum und in den Spielen und die Möglichkeit wird auch genutzt, was aktuelle Beispiele zeigen.
Kein Einzelfall
Bereits im März dieses Jahres
berichtete Rock, Paper, Shotgun von Arno, der nach einem Fehlverhalten in den Bioware-Foren für 72 Stunden keinen Zugriff auf das von ihm gekaufte Spiel Dragon Age 2 hatte. EA beeilte sich zwar auch hier zu betonen, es handele sich um einen Unfall, doch die Geschichte ist kein Einzelfall. Wer die großen EA-Foren durchsucht, findet schnell weitere Beispiele und auch unserem Team ist erst gestern ein aktueller Fall begegnet. In den deutschsprachigen Battlelog-Foren meldete sich ein Spieler zu Wort, der laut Schilderung wegen eines unangemessenen Profilbildes seinen Zugriff auf den gesamten Account verlor. Ob an der Geschichte etwas dran ist bleibt offen, denn der Thread wurde inzwischen vollständig gelöscht. Robs Geschichte rückt den Fall jedoch in ein neues Licht. Was läuft da bei EA ab und wie kann so etwas vorkommen?
Vorgehen völlig überzogen
Der Publisher selbst hat sich zu den Vorfällen bisher nicht geäußert. Rock, Paper, Shotgun hat auf Nachfrage keine Antwort erhalten und BF-Games ist zu winzig, als dass uns in der Konzern-Zentrale jemand wahrnehmen würde. Wir können also nur hoffen, dass weitere Online-Magazine die Geschichte aufgreifen und so genügend Aufmerksamkeit auf das Thema lenken. Die Verbannung von Spielern aufgrund solcher Lappalien wäre alleine schon ein Thema für sich. Ihnen in Folge auch den Zugriff auf rechtmäßig und für teures Geld erworbenen Produkte zu verwehren ist eine ganz andere. Eine, die beinahe so viele Fragen aufwirft wie die AGBs von Origin. Robs Fall und die der anderen Spieler werden wir deshalb weiter verfolgen.
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