Gestern war es wieder einmal so weit. Im öffentlich rechtlichen Rundfunk, finanziert aus den Gebühren von Zockern, wurde über Killerspiele berichtet. Und dabei wurde eins schnell deutlich: Der Beitrag wirkte weniger als Reportage über das Thema, sondern mehr wie ein Horror.. Werbevideo der Verbotslobby. Wenig sachlich, in weiten Strecken verzerrend dargestellt und - so der schwere Vorwurf - sogar in Teilen manipuliert.
Manipulieren statt Informieren
In der Online-Ausgabe des Spielemagazins GameStar wird der Panorama-Beitrag bis ins Detail kommentiert und richtig gestellt. Hierbei wird deutlich, dass ein zu Beginn geführtes Interview mit den CoD-Spielern anscheinend von fünf Stunden auf wenige Bruchstücke zusammengekürzt und zu besonders markanten Szenen zusammengesetzt wurde. Im ESGN-Forum erhebt einer der beiden interviewten schwere Vorwürfe gegen den Sender. Im Wortlaut heißt es dort: Für uns positive Aussagen wurden nicht gesendet, desweiteren waren ca. 95% der dargestellten Szenen nicht aus dem Spiel COD2. Das mit dem draufhalten z.B. ist nicht von uns.. Sollte das völlig sinnlose Geballer eines vollen Magazins auf einen bereits aus dem Spiel genommenen Gegner samt anschließenden Lachen des Spielers also nur den Zuschauer vor dem Bildschirmen einen bestimmten, vordefinierten Eindruck vermitteln? Meinungstransfer statt Meinungsbildungsprozess?
Einer der interviewten hält fest: Wie bekannt ist hat das Interview ca. 5 Stunden gedauert und leider wurden nur 2 Aussagen davon gesendet. Für uns positive Aussagen wurden nicht gesendet, desweiteren waren ca. 95% der dargestellten Szenen nicht aus dem Spiel COD2. >>> Das mit dem draufhalten z.B. ist nicht von uns <<<. Im Klartext: Panorama hat diese Spielszenen nachträglich in den Beitrag geschnitten.
Panorama kein Einzelfall
Das bedenkliche an dem Vorwurf der CoD-Spieler ist die Tatsache, dass es sich bei Panorama um keinen Einzelfall handelt. Während der LAN-Party BFCon im Jahr 2005 drehte ein Team des WDR einen Beitrag für die Lokalzeit Dortmund. Dort wurden mehrere Spieler interviewt, deren Aussagen im Bericht ebenfalls auf einige Bruchstücke zusammengeschnitten wurden. Relativierende Aussagen wurden schlicht aus dem Bericht geschnitten und nicht gesendet. Diese Manipulation von Aussagen können wir bezeugen, da der interviewte Spieler Kelvin direkt neben uns saß und wir die Interviews "aller" Spieler in voller Länge als Augenzeugen mit verfolgten. Bereits zu diesem Zeitpunkt entbrannte im Forum der LAN eine Diskussion über den Beitrag, den wir noch einmal bei YouTube bereitgestellt haben.
Ganz wichtig: unabhängige Experten
Abseits der Vorwürfe von Seiten der interviewten Spieler ist auch die Rolle des Experten Bert Weingarten mehr als fraglich. Der Unternehmer ist nicht nur ausgesprochener Befürworter eines Verbots, sondern Arbeitet als Sicherheitsexperte auch für die PAN AMP AG - eine Firma für Internet-Filtersoftware. In einer Pressemitteilung des Unternehmens heißt es unter anderem: eine erfolgreiche Verbannung von Killerspielen aus Kinderzimmern wird von der PAN AMP AG bereits technisch geleistet. Seit 2002 führt PAN AMP den weltweit ersten Filter für Ego-Shooter ein, welcher seither den Online-Bezug und das Online-Spielen aller bekannten Killerspiele unterbindet.. Der Experte für illegale Erweiterungen bei Call of Duty & Co. handelt also nicht ganz uneigennützig, wenn er ein Verbot bestimmter Spiele fordert und voran treibt. Die hauseigene Software verkauft sich bei wachsender Besorgnis der Eltern bestimmt einen Tick besser. Ein Schelm, wer hier böses denkt. Ebenfalls brisant: mit keiner Silbe geht der Beitrag auf die Frage ein, wie viele der tausenden von deutschen Clans und Spieler die hier verbotenen Erweiterungen aus dem Ausland, wo die Gesetzgebung eine Herstellung zulässt, überhaupt nutzen. Die eigentliche Fragestellung müsste doch eher nach der Nutzung innerhalb der deutschsprachigen Spielerschaft lauten. Und dieses Ergebnis bleibt der Beitrag genau so schuldig wie die Tatsache, dass besagte Erhebung zu "Killerspielen" durch PAN AMP durch die Öffentlichen Rechtlichen finanziert wurde. Der Beitrag hat also Methode.
Gelber Stern für Computerspieler?
Doch es kommt noch schlimmer: erneut werden der Bevölkerung Szenen aus US-Versionen von Spielen gezeigt, die in Deutschland in dieser Form entweder indiziert oder erst gar nicht erhältlich sind. Der Bericht zeichnet so ein Bild von grausamen und gefühllosen Spielern, deren einziges Ziel die Ergötzung an brutaler Gewalt ist. Dass die Realität ganz anders aussieht, scheint beim NDR niemanden zu interessieren. Das Bild vom blutrünstigen Killerspieler sendet sich einfach besser als das derjenigen, die distanziert und differenziert mit dem Medium Spiel umgehen und sich in jedem Fall für die geltenden Jugendschutzgesetze aussprechen(!). Um mit denselben Mitteln des öffentlich rechtlichen Rundfunks zu arbeiten stellen wir deshalb die Frage, ob Spieler von Shootern zukünftig speziell gekennzeichnet werden sollten. Ein Gelber Stern mit Blutrand zum Beispiel, der alle Besitzer von CoD, CS und BF zukünftig aufgrund der von ihnen ausgehenden Gefahr zu tragen haben. Bei Zuwiderhandlung erfolgt die Deportation des PCs. Zu viel des Guten? Mit Sicherheit, aber auf demselben Niveau bewegt sich zurzeit die Berichterstattung: Hinrichten, Quälen, Morden: insgesamt 1,5 Millionen spielen in Deutschland so genannte Egoshooter ? Killerspiele. Wir steigen dann mal wieder in unseren Folterkeller.
Schärfere Trennlinien ziehen
Als Spieler und Nutzer sogenannter "Killerspiele" fordern wir Redaktionen wie die von Panorama deshalb auf, den Zuschauern entsprechend ihres Auftrags umfassende und ausgewogene Informationen zukommen zu lassen, die der Bildung dienen. Wir fordern sie weiter auf in ihrer Berichterstattung mehr Sorgfalt walten zu lassen und dem Zuschauer im Rahmen des Meinungsbildungsprozesses keine falschen und verzerrende Abbildung von Tatsachen zu übermitteln. Weder mit Bildern von nur in den USA zugelassenen Versionen, noch durch aus dem Zusammenhang gerissenen Interviews und Satzfragmenten. Als Spieler, Gebührenzahler und durch die Berichte direkt Betroffene haben wir jedes nur erdenkliche Recht dazu. Wir bitten und fordern die Hersteller von Spielen dazu auf, auf solch unsachgemäße Darstellungen mit der Forderung von Richtigstellungen zu reagieren. Nur so kann verhindert werden, dass auf Grundlage fehlerhafter Berichte eine ablehnende Haltung innerhalb der Bevölkerung gegenüber Spielern aufgebaut wird.
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