BF-Games.net: Die Linke geht mit sehr ambitionierten Zielen in die Bundestagswahl im September. Um die zu erreichen benötigen Sie auch sicherlich Stimmen der
Jungwähler. Wie wollen Sie die Jugend mobilisieren zur Wahl zu gehen und Ihre
Partei zu wählen?
Dr. Petra Sitte: Wir stehen für eine neue Jugendpolitik. Die Jugend ist die Zukunft unserer Gesellschaft. Aber Wirtschaft und Politik verschlechtern ihre Zukunftschancen seit Jahren systematisch durch eine verschärfte Auslese im Bildungssystem, durch eine ungenügende Anzahl an Lehrstellen und durch Entmündigung von jungen Erwachsenen unter 25 Jahren (Hartz IV). Wir widersetzen uns jeglicher Entrechtung der Jugend. Besonders wichtig ist uns eine umfassende Ausbildungsinitiative mit dem Ziel, für alle Jugendlichen eine Lehrstelle zu schaffen – finanziert über eine Ausbildungsplatzumlage, bezahlt also von den ausbildungsfähige Betrieben, die keine oder zu wenige Lehrstellen anbieten.
BF-Games.net: Gerade Computer- und Videospiele sind in der jungen Generation ein wichtiges Thema. Das angestrebte Verbot durch die Innenministerkonferenz verärgert zigtausende Spieler. Wie steht die Linke zu einem möglichen Verbot?
Dr. Petra Sitte: Computer- und Online-Rollenspiele betrachten wir als massenmediale Erscheinungen einer Spiel- und Kommunikationskultur im Digitalzeitalter. Eine Verbotspolitik im Umgang mit gewalthaltigen Computerspielen sowie die Diffamierung der Entwicklerbranche und der Nutzerinnen und Nutzer sogenannter „Killerspiele“ lehnt DIE LINKE ab. Diese Position hat der Parteivorstand im Juli letzten Jahres mit dem Beschluss „Herausforderungen der digitalen Welt begegnen – Grundlagen für eine digitale Medienordnung schaffen“ einstimmig angenommen.
BF-Games.net: Mit einem Verbot würde der aufstrebende Standort Deutschland in sich zusammenfallen. Müsste man diesen Verlust zu Gunsten des Jugendschutzes in Kauf nehmen?
Dr. Petra Sitte: Computerspiele sind heute ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. In Deutschland liegen die Umsätze im Bereich Games bereits jetzt über jenen der Filmbranche. Fakt ist auch, dass die kommerziell erfolgreichsten Spiele Shooterspiele sind – davon nicht wenige in Deutschland produziert oder hier für den heimischen Markt lokalisiert. Den Verbotsbestrebungen der Innenminister dürften daher noch so einige Wirtschafts- und Standortpolitiker widersprechen.
Im Unterschied zu anderen richtet sich unsere Kritik nicht gegen die Spiele, sondern gegen die prekären Arbeitsbedingungen in der Spielebranche. Hire-and-Fire, überlange Arbeitszeiten, Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz, Ausbeutung von Praktikantinnen und Praktikanten und teils beschämend niedrige Entlohnungen sind dort weit verbreitet.
Es ist blanker Zynismus, wenn Produzenten und Publisher allen Ernstes behaupten, dass es richtig sei, dass die Beschäftigten in der Spielebranche länger arbeiteten und vergleichsweise weniger Geld bekämen, da sie als Ausgleich dafür überdurchschnittlich viel Spaß an der Arbeit hätten. Von Spaß an der Freude kann sich niemand etwas kaufen. DIE LINKE fordert deshalb die Einführung eines „FairWork“-Siegels, das die jeweils bestehenden Arbeitsbedingungen klassifiziert und bewertet. Nur Unternehmen, die die Voraussetzungen für ein solches Siegel erfüllen, sollen in Zukunft staatliche Fördermittel beziehen können oder bei der Nominierung für einen Computerspielepreis berücksichtigt werden.
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 Dr. Petra Sitte |  Dr. Petra Sitte |
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