BF-Games.net: Wo beginnen eigentlich "Killerspiele" und wo enden "angemessene"
Computer- und Videospiele?
Dr. Petra Sitte: Es gibt sicherlich Unterschiede in der Qualität und in den Genres von Computerspielen. Das trifft ähnlich auf Filme zu, wo die Darstellung von auch extremer Gewalt sehr unterschiedlich bewertet wird. Was eine Unterscheidung zwischen „angemessen“ und „unangemessen“ bringen sollte, ist mir nicht ersichtlich.
BF-Games.net: Wie ist Ihre eigene Meinung zum Thema Spiele & Gewalt?
Dr. Petra Sitte: Es gibt keine Belege dafür, dass Spiele Gewalt in der realen Welt fördern. Dafür muss erst sehr vieles zusammen kommen. Persönlich sind mir Ballerspiele eher fremd. Doch ich halte es für falsch, kulturellen Veränderungsprozessen mit Kulturkritik und Verboten entgegen zu treten. Wir müssen den Herausforderungen des digitalen Zeitalters kulturell begegnen; sie verstehen, sich mit ihnen auseinandersetzen und sie nicht einfach auszugrenzen zu versuchen.
BF-Games.net: Gerade die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) steht im Kreuzfeuer einiger Politiker. Halten Sie den Jugendschutz bzw. Jugendmedienschutz in Deutschland für ausreichend?
Dr. Petra Sitte: Nicht vermeintlich unzureichende Bestimmungen des Jugendmedienschutzes sind ursächlich für Gewalt und Amok an Schulen, sondern ein komplexes Bedingungsgefüge bestehend aus sozialen, psychologischen und familiären Komponenten. Zu nennen sind soziale Isolation, Leistungsdruck, Schulversagen, psychosoziale Kränkung sowie die Mechanismen von kompensierender Gewalt und – last not least – der Zugang zu realen Waffen. Diese Punkte bleiben in den aufgeregten Debatten um sogenannte „Killerspiele“ leider allzu oft unerwähnt.
BF-Games.net: Warum schließt sich Deutschland nicht dem europaweiten System des Jugendschutzes (PEGI) an? Wäre eine einheitliche Alterskennzeichnung in Europa nicht auch für Deutschland zum Vorteil?
Dr. Petra Sitte: Eine einheitliche Alterskennzeichnung in Europa wäre zu begrüßen. Dazu müssten nationale Befindlichkeiten überwunden werden.
BF-Games.net: Statt Verboten fordern viele Experten eine Stärkung der Medienkompetenz. Wäre es für die Ihre Partei denkbar, den Umgang mit Medien schon in der Schule den Kindern beizubringen?
Dr. Petra Sitte: Medienkompetenz ist eine Schlüsselkategorie im Bildungsauftrag von Kindergärten, Horten und Schulen. Die Fähigkeit, Realität und Fiktion zu unterscheiden, ist Voraussetzung für eine moderne Mediensozialisation. Kinder und Jugendliche, aber auch Eltern und Erziehungsberechtigte sind gefordert, sich in elektronischen Medien selbstbestimmt zu orientieren und den Umgang mit Gefahren und schädlichen Inhalten zu erlernen.
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 Dr. Petra Sitte |  Dr. Petra Sitte |
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