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Trinità

Wann wird Deutschland pleite sein ? Wann kommt der große Fall ?

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Geschrieben (bearbeitet)

Krisen gabs auch in den 70ern und den 80ern, erste Wirtschaftskrise, Ölembargo, Spritpreise, nächste Wirtschaftskrise, Arbeitslosenzahlen schnellen in die Höhe, RAF, Wackersdorf, ...

Es gab aber in dieser Zeit viel weniger das Leben reglementierende Vorschriften, auch viel niedrigere Steuern und Abgaben, die Leute hatten -relativ gesehen - mehr Geld, es war auch die Nach-FlowerPower Zeit, Olympiade in München, Wiedervereinigung, ...

Die Staatsverschuldung nahm in den siebzigern erstmals in steiler Kurve nach oben zu (Sozialgesetze -> SPD-Wahlmotto "Modell Deutschland", Konjunkturprogramme), allerdings hat das damals noch kaum jemanden interessiert. Heute sind wir mittlerweile an einem Punkt angelangt, das der Staat wg. Zinszahlungen Schuldentilgung immer weniger handlungsfähig ist und das spürt jeder Einzelne.

Bearbeitet von -=Geronimo|Ger=-
Geschrieben

Was hier wunderbar passt, ist das Vorwort von Robert Kurz in seinem Schwarzbuch Kapitalismus.

Ich musste zwangsläufug daran denken, als ich den Thread las, den es geht in seinem Vorwort um eben dieses Gedächtnis, gesellschaftlich wie persönlich. Er fasst Sachen meiner Vorposter in diesen Sätzen gut zusammen.

Wegen der Länge von ein bisschen mehr als zwei DinA4 Seiten setze ich das in einem Spoiler. Wäre schön wenn ihr euch die Zeit nehmt das zu lesen, denn es passt so hervorragend.

Prolog

Das historische Gedächtnis der Menschen ist kurz. Sogar die eigene Biografie verblasst in der Erinnerung.

Was wissen wir noch wirklich von unserem Leben, unseren Gedanken, Gefühlen und

Befindlichkeiten vor zwanzig, dreißig oder vierzig Jahren? Die meisten Menschen sind überrascht,

wenn sie zufällig auf einen objektiven dokumentarischen Beleg ihrer Vergangenheit stoßen und

dann feststellen müssen, wie sehr sich die einstige Realität oft von dem Bild unterscheidet, das sie

in ihrem Kopf davon gespeichert haben. Immer sind wir andere und uns selbst fremd geworden. Es

scheint aber weniger die begrenzte Kapazität des menschlichen Gehirns zu sein, die solche Fehlleistungen

der Erinnerung bewirkt. Vielmehr sind wir in der Regel Verdrängungskünstler, die sich die

eigene Geschichte zurechtfärben und für das Selbstwertgefühl passend legitimieren. Jeder Mensch

affirmiert sein noch so fadenscheiniges Ego, um möglichst bequem und unangefochten in seiner

Haut leben zu können, ohne sich selbst in Frage stellen zu müssen.

Ähnliches gilt in verstärktem Maße für das kollektive Gedächtnis der Menschheit. Alles, was

hinter den Horizont des eigenen lebensgeschichtlichen Anfangs zurückreicht, liegt für uns in einem

noch schwärzeren Dunkel als die persönliche Vergangenheit. Es kommt uns seltsam vor, wenn wir

daran denken, daß die Eltern und Großeltern, die doch so vertraut scheinen, ein Leben vor unserem

Leben hatten, das für uns immer wildfremd bleiben muß. Und hier beginnt schon die Geschichte der

Gesellschaft, denn jenseits der bloß blutsverwandtschaftlichen Stammesorganisation, die in der modernen

Welt vollends auf die Kleinfamilie mit Dackel und in der postmodernen Version auf den

Single als Gesellschaftsatom geschrumpft ist, mischt sich in die persönliche Geschichte der Generationen

die kulturelle, politische und sozialökonomische Geschichte. Abgesehen davon, daß der

Habitus, die Umgangsformen und die Klamotten der Vorvergangenheit immer zum Schreien komisch

sind, wissen wir von den wirklichen Umständen so gut wie gar nichts mehr. Die Erzählungen

sind bruchstückhaft und selber wieder von Verdrängungen gefärbt, so daß die Geschichte wahlweise

als »die gute alte Zeit« oder umgekehrt als »die schlechten Zeiten« firmiert; oder als beides

zusammen, denn um unaufgelöste Widersprüche ist der Alltagsverstand nie verlegen. Die »Ich war

dabei-Geschichten sind so ziemlich die unzuverlässigsten.

Wie sich aber die einzelne Person selbst lebensgeschichtlich legitimiert, so erst recht die herrschende

Struktur der Gesellschaft. In die persönlichen Erinnerungen dringen wie Ätzmittel die

ideologische Selbstrechtfertigung und die offizielle, in den Schulbüchern kolportierte Geschichtsschreibung

der bestehenden Machtverhältnisse ein, setzen das Denken unter Druck und drohen es

aufzulösen. Zur persönlichen Selbstzensur addiert sich die gesellschaftliche. Weltmeister in dieser

Hinsicht ist der moderne Kapitalismus. Noch keine Gesellschaft in der menschlichen Geschichte hat

sich derart unverfroren als Absolutes gesetzt. Das totale Marktsystem färbt seine eigene Geschichte

aber nicht bloß schön, sondern löscht sie sogar großenteils aus. Der »homo oeconomicus« lebt quasi

im Zeithorizont eines kleinen Kindes; nämlich in einer ewigen Gegenwart von Markthandlungen,

die alle auf derselben zeitlosen Ebene stattzufinden scheinen. Beschwört der konservative Geist die

Geschichte, um sie im Namen der Autorität zu verfälschen, so verscherbelt der wirtschaftsliberale

Geist die Geschichte wie Unterhosen, Kampfbomber, Fertigsuppen und andere Marktgegenstände,

in die sich die erfahrbare Welt unterschiedslos verwandelt. Und war schon die mündliche Überlieferung

mythologisch standardisiert, so enthistorisieren die kapitalistischen Medien die Geschichte

selbst und lösen sie in die Ökonomie des Marktes auf.

Diese Methode ist ideologisch vorteilhafter als alle bloßen Geschichtsklitterungen. Denn die

Beliebigkeit der bunten Warenwelt verschluckt jede objektive Wahrheit, und die sogenannte Postmoderne

ist ja folgerichtig nicht nur beim totalen Markt, sondern auch beim totalen Relativismus

gelandet, also in einer Paradoxie. »Alles ist nur ein Film«. Somit entfällt jede kritische Reflexion

über das historische Gewordensein »dessen, was ist«. Es »ist« einfach und damit Schluß. Für dieses

Denken (oder vielmehr für diese Gedankenlosigkeit) kommt allerdings dem medialen oder ideologischen

Schein genauso viel Tatsachengehalt zu wie dem realen Sein; genauer gesagt »scheint« es

keinen Unterschied zwischen Realität und Inszenierung mehr zu geben. Die Lüge ist genauso wahr

wie die Wahrheit, und somit leben wir mitsamt unserer demokratischen Freiheit längst in einer Orwellschen

Welt.»1984« liegt ja auch schon hinter uns, nur hat es niemand bemerkt.

Während der einem zynischen Realismus verfallene Marktmensch sich einbildet, das aufgeklärteste

Wesen der Welt zu sein, läßt er nahezu alles mit sich machen, nimmt die unglaublichsten

Zumutungen fatalistischer hin als ein orientalischer Mystiker und läßt sich größeren Unsinn einreProlog

den als ein mittelalterlicher Bauer. Weil er jeden Maßstab verloren hat, kann er weiß und schwarz

nicht mehr unterscheiden; und ob ihm etwas weh tut, muß er den Diagnosen von Experten oder der

Statistik entnehmen. Erst dieser komplette, seiner kritischen Vernunft beraubte und entmündigte

Idiot ist reif für eine flächendeckende Marktwirtschaft, an deren »Gesetze« er glauben darf wie der

feudale Hintersasse an die Realexistenz von Hölle und Fegefeuer.

Der letzte kümmerliche Rest eines Maßstabs schien in der Nachkriegsgeschichte die Tatsache

des Systemkonflikts zwischen Ost und West zu sein. Es war freilich ein allzu billiges Maß, an dem

sich der kapitalistische Westen dabei selber messen konnte. Denn bekanntlich ging der bürokratische

Staatssozialismus nirgendwo aus der Krisenreife eines kapitalistischen Systems hervor,

sondern im Gegenteil aus einer Krise der »Unterentwicklung« an der Peripherie des Weltmarkts in

der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Es ist unschwer zu erkennen, daß die Regimes der »nachholenden

Modernisierung« im Osten und Süden nicht nur in einer lediglich anderen ideologischen

Verkleidung die längst vergessenen und verdrängten westlichen Frühformen des Kapitalismus wiederholten,

um eine moderne industrielle Warenwirtschaft im Schnelldurchgang aus dem Boden zu

stampfen; sie ahmten auch bis zur Lächerlichkeit die Affekte und die Mythologie der bürgerlichen

Revolutionen, die kapitalistischen Lebensformen und sogar noch das westliche Design nach. Der

Osten war insofern von Anfang an keine historische Alternative, sondern immer nur eine gröbere,

eher mickrige und auf halbem Weg steckengebliebene Billigversion des Westens selbst. Die ökonomische

und technologische Überlegenheit des westlichen Kapitalismus war nie mehr als

diejenige eines älteren Bruders, der den jüngeren gewohnheitsmäßig zusammenschlägt und darauf

auch noch stolz ist.

Nur die bis zur Vollendung gediehene Geschichtsblindheit machte es möglich, daß der Zusammenbruch

des vorsintflutlichen Staatssozialismus als kapitalistischer Endsieg und als Endlösung

der sozialen Frage ausgerufen werden konnte. Es erscheint heute mehr denn je als undenkbar, daß

die gemeinsamen Geschäftsgrundlagen des modernen warenproduzierenden Systems, an denen sich

die historischen Nachzügler ihrerseits von Anfang an messen lassen mußten, selber zum Auslaufmodell

werden könnten. Zwar haben sich alle kapitalistischen Verheißungen seit 1989 als

Luftblasen erwiesen. Die offenen Märkte des Ostens bescherten der westlichen Gesellschaft kein

neues Wirtschaftswunder, sondern nur eine desperate Billiglohn-Konkurrenz. Und die Menschen

des Ostens reiben sich ungläubig die Augen, weil sie feststellen müssen, daß noch die finstersten

Ideologen des Kasernenkommunismus, deren Lügenpropaganda über die eigene Herrschaft doch so

durchsichtig und jämmerlich gewesen war, die sozialen Defizite der westlichen Marktwirtschaft mit

boshafter Präzision durchaus zutreffend beschrieben hatten.

Aber die Idee ist paralysiert, die utopischen Energien scheinen verbraucht. Nach dem Ende der

Geschichte herrschen Verwirrung und innere Verhärtung. Die Hoffnung wird irre, weil sie keine

Alternative mehr denken kann. Sogar der gemäßigte Reformismus bricht zusammen. Der Kapitalismus

ist von der Kette und zeigt ein Gesicht, das ihm so bösartig viele nicht mehr zugetraut hätten.

Eine wüste Konzeptheckerei hat begonnen, die mit einem absurden Billigvorschlag nach dem ändern

aufwartet, um die schier unaufhaltsame sozialökonomische Krise auf dem Boden der

»alternativlosen« Marktwirtschaft zu bannen. Die Selbstzensur des kapitalistischen Menschen, die

wirksamer ist als jede Polizeibehörde, hat zum Ende des kritischen Denkens geführt. Nicht einmal

die Subkultur ist mehr oppositionell.

Um eine neue, andere Alternative wieder denken zu können, muß zuerst die Geschichte rehabilitiert

werden. Den scheinbar ahistorisch gewordenen Kapitalismus gilt es zu historisieren. Das ist

heute keine Frage mehr, die sich auf das unverbindliche Reich des Gedankens beschränken könnte.

In Wahrheit haben wir die historische Schmerzgrenze der Marktwirtschaft erreicht, deren ökonomischer

Totalitarismus unerträglich zu werden beginnt. Während die letzten kalten Krieger immer

noch von der »freien Welt« faseln, entpuppt sich das planetarische System des Kapitalismus als eine

Gesellschaft, »die dabei ist, buchstäblich verrückt zu werden« (Oskar Negt). Das ist bekanntlich

das Schicksal jeder Hybris. Eine Selbstheilung der Gesellschaft, eine Rückkehr auf den sozialen

und ökologischen Boden der Tatsachen, eine Beruhigung des enthemmten und entgrenzten Fortschritts,

ein erträgliches gesellschaftliches Leben und eine Grundgeborgenheit als Voraussetzung

von Mitgefühl, generativer Verantwortung und ideeller Reflexion werden nur möglich sein, wenn

dem absurd und gemeingefährlich gewordenen System der totalen Konkurrenz von atomisierten Individuen

der Spiegel seiner eigenen Geschichte vorgehalten wird, damit die Selbsterkenntnis des

kapitalistischen Menschen ein Ende des Kapitalismus ohne Schrecken erleichtert.

Nicht bloß vordergründig ist diese Geschichte vor allem eine Wirtschafts- und Sozialgeschichte.

Denn wenn »das Medium die Botschaft ist« (Marshall McLuhan), dann kann die Geschichte des

modernen »homo oeconomicus« in der Tat nur die Geschichte seiner Ökonomie sein, die Geschichte

der »Produktivkräftentwicklung«, die Geschichte der Konjunkturen, der Krisen und des

abstrakten Geldreichtums. Mit der Gewaltsamkeit und den ungeheuren Potentialen dieser Geschichte

kontrastiert ihre nicht weniger ungeheure Trivialität. Nachdem die existentiellen, metaphysischen

und erkenntnistheoretischen Fragen der Menschheit durch die sogenannten Marktgesetze erstickt

worden sind, bleibt nur die triviale Metaphysik des Geldes übrig. Die Abenteuer sind zu Ende, denn

in der totalen Banalität des Marktes gibt es nichts zu entdecken und nichts zu erleben. Da hilft kein

Risikosport und kein Erlebnistourismus im Himalaya mehr. Der Held der Woche heißt z. B. Hartwig

Piepenbrock, »Herr einer riesigen Putzkolonne« von 30000 Billiglohn-Schrubbern

(Wirtschaftswoche 37/1996), dessen Lebensziel es ist, in der Billiglohn-Schrubber-Branche der

Größte zu werden. Die historische Schmerzgrenze der Marktwirtschaft ist auch diejenige ihres

Weltbildes, ihrer »Warenästhetik« (W. F. Haug) und der peinlichen Borniertheit des menschlichen

Strebens.

Eine Schmerzgrenze ist folgenlos nicht überschreitbar. Jenseits dieser Grenze ist der Patient

entweder tot oder ein anderer. Die überfällige Historisierung des Kapitalismus kann allerdings nicht

mehr von den Binnenkonflikten der bisherigen Modernisierungsgeschichte ausgehen. Sie muß das

Ganze in den Blick nehmen, d. h. aus der Analyse des Gewordenseins auf das Ende schließen. Die

Ironie der Geschichte könnte es sein, daß für den Kapitalismus absoluter Triumph und Endkrise historisch

zusammenfallen. Daß diese unerwartete Krise freilich ganz anders aussieht, als früher

gedacht, ergibt sich aus dem Zerfall des bisherigen Bezugssystems selbst. Die gegenwärtige weltweite

»Standort«-Debatte ist deswegen so grotesk, weil sie nicht realisieren will, daß das

flächendeckende System marktwirtschaftlicher »Arbeitsplätze« sich heute selbst zerstört und unmöglich

geworden ist. Natürlich verweist auch die Arbeitsplatzfrage auf die Geschichte. Die

kapitalistische Industrialisierung, die im späten 18. Jahrhundert angestoßen wurde, tritt in das Stadium

der Ausweglosigkeit ein. Es kann nur noch ein Abenteuer geben: die Überwindung der

Marktwirtschaft jenseits der alten staatssozialistischen Ideen. Danach mag eine andere Geschichte

beginnen.

Ich wollte eigentlich wichtige/gute Stellen schwärzen, aber irgendwie ist der ganze Text geil und ich finde keinen Ansatz, was ich losgelöst hervorheben sollte.

Für mich eines der wichtigsten Bücher die ich jemals gelesen habe. Erklärt es doch auf intelligente Weise 200 Jahre Kapitalismus und seine Folgen. Für den Laien heutzutage wichtiger als Marx, wenn ich das mal so behaupten darf. ;-)

Robert Kurz / Schwarzbuch Kapitalismus / ISBN: 3-548-36308-3

Geschrieben (bearbeitet)
Stagnation

Das ist so negativ behaftet. Stillstand ist nicht schlimm klingt in deinem Kontext aber so.

Und abgesehen von der Krise haben wir ja keine Stagnation. Technisch und überall um uns herum findet das Gegenteil statt.

Oder anders ausgedrückt, ich würd mich über Stagnation freuen. Das genaue und drastische Gegenteil ist ja der Fall. Es mup sich alles immer weiter und höher drehen und alles wird fantastisch gepushed und gepushed bis nur noch die Kotze am brodeln ist.

Also noch ma an alle, ich habe mich mit der Vergangenheitsromantik selber schon ausgiebig befaßt und ich weiß wann etwas verklärt ist und wann etwas so ist wie es ist. Also bitte keine weiteren Erklärungen das ich ja nur auf der Nostalgiewelle rumschwimme und es früher nicht besser war als heute ;)

Das kommt dem Thema und auch mir zu gute :)

@Kett:

Der Text muß für senile Leute mit Parkinson sein. Ich habe schon nach dem ersten Absatz aufgehört. Da es bei mir das genau Gegenteil ist. Wenn ich Sachen von früher lese, Briefe oder einfach nur Dinge die ich 10 oder 20 Jahre nicht gesehen habe dann seh ich das es damals noch geiler als in meiner Erinnerung war. Und ja, ich habe ein gutes Gedächtnis.

Solche Wortschwangeren Texte sind doch nur dazu da das man sein Blick im Heute positiver sieht. Der Text trieft vor psychologischen Klischees und Dingen die einfach jeder schon irgendwo zich mal gehört hat.

Grüße und nimm meine Meinung bitte nich persönlich ;)

Bearbeitet von Trinità
Geschrieben

Soso, Leute mit Parkinson. Ich finde der Text trifft genau ins schwarze und ich weiß leider auch nicht, was Parkinsonkranke (?) damit zu tun haben sollen, aber naja...

Es ist ja nicht so, dass wir allein im Letztem Jahrhundert mehr als 5 große Wirtschaftskrisen haben, an denen selbst heute noch manche Staaten zu knabbern haben.

Geschrieben (bearbeitet)

@Kett / Betr. Robert Kurz:

Naja, Thesen eines begnadeten Sozialismus-Romantikers. Bei seinen Thesen zu den Gesellschaftssystemen ist eigentlich nichts wirklich belegbar. Das kann so sein, kann aber genausogut ganz anders sein.

Das totale Marktsystem färbt seine eigene Geschichte aber nicht bloß schön, sondern löscht sie sogar großenteils aus...

Das machen ja bekanntlich alle Gesellschaftssysteme - guck Dir die jeweilige Geschichtsschreibung unter der UDSSR an, guck dir China an, Nordkorea, Kambodia (Pol Pot),...

Bearbeitet von -=Geronimo|Ger=-
Geschrieben

wenn Kurz eines nicht ist, dann ein Solzialismus Romantiker. Geht aber auch aus dem Text hervor.

Geschrieben

@Kett super Text passt wie die Faust aufs Auge.

Es kann nur noch ein Abenteuer geben: die Überwindung der

Marktwirtschaft jenseits der alten staatssozialistischen Ideen.

Das sehe ich genauso nur wie sieht diese neue Form aus, es müsste eine gesunde Verbindung zum Kapitalismus und Sozialismus geben ohne das man gleich beide seiten verteufelt und schlecht redet.Den beide formen haben gute ansätze wie ich finde aber wirken geschlossen als solches eher behäbig und bewirken als einzelne Gesellschaftsform oft ihren eigenen Untergang.Die Mehrheit der Menschen wird das wohl nicht interessieren weil der kritisch denkende Mensch praktisch ausstirbt und die Verantwortlichen alles daran setzen diesen Trend aufrechtzuerhalten.

Geschrieben
...

Das totale Marktsystem färbt seine eigene Geschichte aber nicht bloß schön, sondern löscht sie sogar großenteils aus...

Das machen ja bekanntlich alle Gesellschaftssysteme - guck Dir die jeweilige Geschichtsschreibung unter der UDSSR an, guck dir China an, Nordkorea, Kambodia (Pol Pot),...

Das ist die Geschichtsschreibung, gut. Aber die macht nicht das Gesellschaftssystem, sondern die autokratische (zumind. bei den genannten) Elite. Und mit dem von dir gewählten Zitat aus dem Vorwort wird mMn ein ganz anderer Aspekt angeschnitten: nämlich die Geschichte der Entstehung des Kapitalismus. Und wenn man mal dreist sein möchte, kann man auch formulieren, dass der Kapitalismus heute behauptet, per unbefleckter Empfängnis zur Welt gekommen sei und so sich keiner normativen Beurteilung (also moralischer Legitimation besitzen oder erhalten) unterziehen muss. So stellt der Kapitalismus in seiner Eigendefinition ein System dar, was quasi eindimensional existiert und seine Berechtigung aus der Tatsache seines Bestehens nimmt. Kapitalismus wird meist funktional beschrieben und man meint damit, dass die Diskussion über eine Ethik des Marktes erfolgreich umgangen wäre. Dem ist jedoch nicht so. Vertragssicherheit z.B. ist ein Hinweis darauf, dass auch im Kapitalismus selbst normativer Gehalt schon vorhanden ist und das nimmt uns die unmögliche Aufgabe ab,künstlich in das System irgendwelche "Werte" hineinzudoktern. Das is fein.

Wir müssen den Kapitalismus nur korrekt verstehen und anwenden. Dann müsste die FDP allerdings leider einpacken, was den Wirtschaftsbereich angeht; Freiheitlichkeit können sie ja dann immer noch befördern.

Um es kurz zu machen: Wir brauchen keine Kombination aus Kapitalismus und Sozialismus oder gar eine neues "System".

Wir müssen den Kapitalismus und seine Teilhaber nur an seine Wurzeln erinnern und die Verlässlichkeit einfordern, die dem Tauschsystem schon immer zu Grunde liegt. Dann haben wir ein System, was sich einer allgemeinen Werteordnung unterziehen muss und somit is der Fisch (das Problem) schon halb gelöst.

Jaja früher war alles besser ist nur eine verklärte romantische Sichtweise.

Stimmt nicht.

Es gibt Fakten die haben nix mit Romantik zu tun.

Und meine Eltern haben zb die 60er,70er und 80er so gelebt wie sie waren und in keinem Jahrzehnt dem anderen hinterhergeweint weil für sie diese 30-40 Jahre einfach schön waren.

Empirische Fakten sind solche, die durch die Beobachtung des Objekts entstehen.

Das, was du beschreibst, ist eine subjektive Sicht auf die Dinge.

Und während deine Eltern in deinem Beispiel das Leben so genossen haben, wie es war, sind unschuldige Menschen in Prag während des "Prager Frühlings" gestorben. Die Kinder dieser Eltern würden die dmalige Zeit vielleicht ganz anders beschreiben oder mit der heutigen vergleichen.

Und übrigens gibt es das System Zinsen schon etwas vor den 1960er; Eher auch schon in den 0060ern...

Ich möchte damit sagen, dass die Verschlechterung, die du beschreibst, aus der individuellen Perspektive Sinn macht, aber nicht taugt die Entwicklung einer Gesellschaft und des ihr zu Grunde liegenden System, zu beschreiben.

Geschrieben
Um es kurz zu machen: Wir brauchen keine Kombination aus Kapitalismus und Sozialismus oder gar eine neues "System".

Wir müssen den Kapitalismus und seine Teilhaber nur an seine Wurzeln erinnern und die Verlässlichkeit einfordern, die dem Tauschsystem schon immer zu Grunde liegt. Dann haben wir ein System, was sich einer allgemeinen Werteordnung unterziehen muss und somit is der Fisch (das Problem) schon halb gelöst.

Voll zustimmm... :daumenhoch:

Der Kapitalismus braucht gewisse Regulierungen, ohne die er ansonsten abdriftet.

Leider haben wir mit den US-Republikanern starke Verfechter einer völlig freien und ungezügelten Marktwirtschaft in der Welt - die Tatsache, das die Republikaner in den USA aktuell schon wieder im Aufwind sind, zeigt, das man dort aus den Entwicklungen, die zur Finanzmarktkrise 2008 geführt hatten, überhaupt nichts gelernt hat.

Geschrieben

Ist ja schon ein wenig entfernt vom Topic aber was soll´s.Wenn Studiengebühren erst von 1000€ dann auf 3000€ und so weiter erhoben werden brauch sich eine Regierung nicht zu wundern wenn mal ein kleines Feuer brennt.Aber laut der Anzahl von 20.000 Demonstranten ist es doch sehr friedlich abgelaufen respect.

Ich muss dann immer denken warum gerade dort sparen weshalb sich keine alternativen suchen.Ich meine was liegt einer Regierung daran sein eigenes Volk derart von Bildung fern zu halten,selbe Problem hier in Deutschland Bildungsförderung könnte besser sein.Ich denke wenn ein Volk immer mehr Steine in den weg gelegt bekommt sich selber und seine Umwelt kritisch zu hinterfragen,ist es ein Vorteil einer Regierung Anti-Soziale Gesetze/Maßnahmen umzusetzen die schritt für schritt unsere rechte als Bürger beschränken ( ist nur so ein Gedanke).

Mischung aus Volksverdummung und Wettbewerbs Kampf um die nächste Stufe des Neoliberalismus zu erreichen.Aber ich schweife ab wie dem auch sei es wird an vielen falschen enden gespart und die Gesundheit der Gesellschaft verschlechtert sich zusehends, doch die Protestwelle schwabbt weiter über den Planeten hoffe mal verstärkt in den U S of Arm.

Geschrieben

Vorhin las ich etwas von Rettungsfonds, die Deutschland im Fall eines Bankrotts retten würden. Nur im die wirtschaftlichen Tatsachen nochmal klar zu stellen.

1. Ich glaube nicht, dass ich euch daran erinnern muss, dass Deutschland eine der größten Volkswirtschaften der Welt besitzt.

2. Ein Land ist, wie wir es mit Griechenland gesehen haben, erst dann pleite, wenn es als nicht mehr Kreditwürdig abgestempelt wurde.

3. Bei der Privatperson wird diese Kreditwürdigkeit an seinem Gehalt gemessen, bei einem Staat wie Deutschland an seiner Wirtschaftsleistung.

4. Demnach ist es unwahrscheinlich, dass Deutschland von heute einfach Pleite geht. In der Theorie müssten erst einmal die 200nochwas Staaten, die eine schwächere Wirtschaft, also eine geringere Kreditwürdigkeit haben, pleite gehen bevor wird es tun.

5. Allerdings haben die jüngsten Ereignisse gezeigt, dass wir, jetzt wo wir unsere Währung mit anderen, weitaus schwächeren Staaten teilen, viel Verwundbarer sind als wir es zu Zeiten der Mark waren. In einen Staatsbankrott, wenn wir denn einen haben werden, werden wir von einem anderen, höchstwahrscheinlich Euro-, Land mit hinein gezogen.

Das kann euch so auch jeder Wirtschaftsstudent sagen.

Geschrieben

Wie soll denn dieser Rettungfonds aussehen? Unsere Schulden sind definitiv nicht mehr bezahlbar. Vielleicht tilgen wir die nächsten 15 Jahre noch die Zinsen aber irgendwann kommt der Crash.

Griechenland, das vom wirtschaftlichen Ertrag unter Bayern liegt, war noch zu retten. Aber Länder wie z.B. Spanien kann man nicht mehr helfen, der Euro wird dann abgewertet und zwar extrem.

1. Ich glaube nicht, dass ich euch daran erinnern muss, dass Deutschland eine der größten Volkswirtschaften der Welt besitzt.

Die USA auch. ^^ Die sind aber auch auf dem besten Weg in den Bankrott. Drum drucken sie auch soviel Geld nach.

Um mal unsere Schulden zu veranschaulichen:

1 788 691 999 300 Euro (1798 Milliarden/ 1,798 Billionen Euro)

Wir nehmen seit ca. 20 Jahren neue Schulden auf, um unsere Zinsen auf die Staatsschulden zahlen zu können.

2. Ein Land ist, wie wir es mit Griechenland gesehen haben, erst dann pleite, wenn es als nicht mehr Kreditwürdig abgestempelt wurde.

Das ist leicht falsch. Ein Staat ist dann Pleite wenn er die Zinsen auf seine Schulden nicht mehr zahlen kann. Da allein die Staatverschuldung jede Sekunde um ca. 2500 Euro steigt, wird der Punkt kommen an dem Deutschland Pleite ist. Man redet von 2025, egal ob ein paar Jahre hin oder her.

In den letzten hundert Jahren war Deutschland zweimal bankrott. Nach dem ersten und nach dem zweiten Weltkrieg. Das passiert, auch wenn uns die Wirtschaft und die Politik ins Wolkenkuckucksheim sabbeln, wissen wir doch um ihre Kompetenz. Siehe Finanzkrise.

Folgen:

Wir werden den Staatsbankrott auf alle Fälle noch erleben. Man kann sich ausserdem ausmalen, was dann mit privater Altersvorsorge, Lebensversicherungen oder Geld in Fonds, Aktien und auf der Bank passiert. Der ganze Riester-Renten Käse ist null und nada wert. Das einzige was hilft, den Bankrott mit einem blauem Auge zu überstehen ist die Investition in etwas wertstabiles. Das könnte Gold in der Schweiz sein oder ähnliches. Das traurige an der ganzen Sache ist ja, das man kein Wirtschaftswissenschaftler sein muss um die Fakten zu erkennne. Die Pleite wird kommen. Und wem bis dahin langweilig ist, kann ja in Bundeswertpapiere investieren.

:rofl:

unbenanntygit.jpg

Geschrieben

Wirtschatfsexperten gehen aber auch davon aus, das es politisch und gesellschaftlich sehr unruhig wird, wenn die Verschuldung 80% des BIP erreicht. Die USA sind aktuell bei 95%.

Was das heißt, muss ich wohl niemandem erklären. Das ist auch der Grund warum die USA sich inflationär beginnen zu entschulden... :whistling:

Geschrieben

Soweit ich weiss macht das auch Deutschland. Nächstes Jahr kommt die Fünf-Euro-Münze und Hartgeld darf man ja soviel herstellen wie man will.

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